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Deutsche Schulschachmeisterschaft

Im Februar haben die Schulen aus dem Landkreis Kelheim auf der Niederbayerischen Meisterschaft 2024 in Dingolfing abgeräumt, was ging: Doppelsieg in der WK IV (U13), Niederbayerischer Meister in der WK III (U15) und WK II (U17). In der WK GS (Grundschulen) waren sogar die ersten fünf (!) Mannschaften aus Kelheimer Schulen. Ein Wahnsinnserfolg!

Deswegen ging es einen Monat später auf die Bayerische Schulschachmeisterschaft 2024 nach Garching. Dort hingen die Trauben deutlich höher. Trotzdem erkämpfte das Donau-Gymnasium in der WK IV den bayerischen Meistertitel. In der WK III wurde es der bayerische Vizetitel für das DGK, ebenso wie für die Realschule in der WK HR. Doch auch der bayerische Meister in der WK III, das Gymnasium Neumarkt, hatte einen Spieler vom SK Kelheim in seinen Reihen. Was für eine Visitenkarte der Kelheimer Nachwuchstalente!

Die Teilnahme an den Deutschen Schulschachmeisterschaften (DSM) 2024 war somit eine logische Folge. Das Donau-Gymnasium in der WK IV und das Neumarkter Gymnasium in der WK III waren als Meister ja gesetzt. Für das DGK in der WK III und die Realschule Riedenburg bedurfte es Freiplatzanträge, denn direkt qualifizierten sich hier nur die jeweils Erstplatzierten. Aufgrund der gezeigten Leistungen auf Landesebene wurden jedoch beide bewilligt. Damit ging es am letzten April-Wochenende in die große weite Welt hinaus: Die Realschulen kämpften in Osnabrück um nationale Ehren, die WK III in Aurich (Ostfriesland) und die WK IV in Bad Homburg.

Wettkampfklasse HR (Osnabrück)

Die schachliche Betreuung der Riedenburger vor Ort übernahm TVR-Trainer Reinhard Blodig, als Lehrer war Herr Riepl mit dabei. Wie schon im letzten Jahr, als sie die DSM auf einem tollen fünften Platz beendeten, mischte die Realschule auch diesmal wieder von Anfang an ganz vorne mit. Vom SK Kelheim waren Maxim Weinberger am Spitzenbrett und Maximilian Buchhammer als Reservespieler dabei. Letzterer kam einmal auch im Hauptturnier zum Einsatz und holte den vollen Punkt. Er hat damit 100 % Ausbeute! 😉 Niklas und Samuel Aigner (TSV Dietfurt), sowie Leon Schröder (TV Riedenburg) komplettierten das Quintett.

Maxim hatte am Spitzenbrett natürlich die härtesten Nüsse zu knacken. Nach zwei Siegen zum Auftakt brauchte er gute Nerven, denn es folgten vier Tiefschläge gegen starke Kontrahenten. Doch dank guter Mannschaftsleistung sprang für das Team auch in der schwierigen Phase meist trotzdem noch mindestens ein Unentschieden heraus. Am Ende konnte Maxim einen Sieg und zwei Remis nachlegen. Ganz stark präsentierte sich Samuel, der 8,5 aus 9 an Brett 4 holte und damit der zuverlässigste Punktelieferant für seine Mannschaft war.

Am Ende holten die Riedenburger mit 13 Mannschafts- und 23,5 Brettpunkten Bronze und konnten damit das starke Resultat aus dem Vorjahr noch um zwei Plätze verbessern. Herzlichen Glückwunsch!

Johann-Simon-Mayr-Realschule Riedenburg, Platz 3 DSM WK HR in Osnabrück 2024

Wettkampfklasse III (Aurich)

Für die WK III reiste das Donau-Gymnasium am 27. April mit dem Kleinbus nach Ostfriesland, da die Zuganbindung alles andere als ideal war von Saal aus. Aber auch auf der Straße galt es über 10 Stunden Anfahrt zu bewältigen. Hier war SK-Jugendleiter Cornelius Mühlich als Trainer im Einsatz, sowie Nicole Neumeier als Betreuerin. An den Brettern saßen, wie schon in der Qualifikation, Benedikt Huber, Valentina Neumeier, Marcus Reimann und Theodor Nickel.

Von der Papierform her war die Ausgangslage äußerst vielversprechend. Noch nie auf einer Deutschen Meisterschaft – DVM oder DSM – war eine Kelheimer Mannschaft auf Startplatz 3 gesetzt.

Umso böser das Erwachen, als Runde 1, wo beim Schweizer System die obere gegen die untere Tabellenhälfte spielt, mit 1,5-2,5 verloren ging. Das stand so natürlich nicht auf dem Plan und bei nur sieben Runden ist das schon ein kleiner Rückschlag. Aber noch war nichts verloren; „Schweizer Gambit“ (nach früher Niederlage in der Folge vermeintlich schwächere Gegner bekommen und das Feld von hinten aufrollen) kann ja auch funktionieren.

Runde 2 und 3 gegen Grimma und Oberursel gab es mit 2,5-1,5 und 3,0-1,0 tatsächlich volle Punkte. Dann standen die bayerischen Verbandskollegen aus Neumarkt an. Zwar konnte sich Benedikt bei Laura für den Nuller auf der Bayerischen revanchieren 😉 , aber Leni verkeilte sich derart mit ihrem Gegner – ungleichfarbige Läufer inklusive – dass es nur Remis wurde. Und da die beiden hinteren Bretter leer ausgingen, musste ein weiteres 1,5-2,5 ohne Mannschaftspunkte verkraftet werden.

An diesem Punkt war klar, dass es bis ganz nach vorne wahrscheinlich nicht mehr reichen würde, zumal das Cecilien-Gymnasium Düsseldorf nicht den Eindruck machte, als würden sie bei dieser DSM irgendwas anbrennen lassen wollen. In Runde 5 legten die Kelheimer nochmal einen starken 3-1-Sieg gegen Heidelberg nach. In den beiden Schlussrunden gegen Kiel und Kaiserslautern mussten sie sich aber mit zwei Unentschieden zufriedengeben. Unter dem Strich sprang ein sechster Platz heraus, auf den das Team stolz sein kann – eigentlich!

Aber so weit ist es jetzt schon: Es gab hängende Köpfe und betretene Mienen nach der letzten Runde. Jeder wusste, dass hier in Aurich erheblich mehr drin war, und jeder hatte so seinen Moment im Laufe des Turniers, wo irgendwas liegengeblieben ist. Das drückte auf die Stimmung. Doch am Ende muss man die Kirch’ im Dorf lassen: Das Donau-Gymnasium Kelheim ist hier sechstbeste Schule in ganz Deutschland geworden! Da wären viele andere gerne!

Donau-Gymnasium Kelheim, Platz 6 DSM WK III in Aurich 2024

„Die vier Tage in Aurich waren geprägt von großem Teamgeist, gutem Zusammenhalt und vielen Erlebnissen“, meint Jugendleiter Corni rückblickend. „Ein sechster Platz auf der Deutschen kann sich mehr als sehen lassen; die Mannschaft kann sehr stolz auf sich sein.” Dennoch sieht er in einigen Punkten Nachholbedarf: Vielen nervenstarken Momenten in engen Situationen stehen auch einige gegenüber, wo wir den ‚Killerinstinkt‘ noch schärfen müssen. Dann klappt es bestimmt auch mal mit einem Podestplatz.“ Und: „Beim gemeinsamen Vor- und Nachbereiten der Partien konnten wir viel voneinander lernen und es war zu spüren, dass alle das Beste für die Mannschaft wollen. Vielleicht klappt es ja bald mal wieder mit einer DSM, muss ja nicht immer so weit weg sein… Aber an die Nordsee kommt man auch nicht alle Tage.“  😉

Die zweite bayerische Mannschaft im WK-III-Feld, das Willibald-Gluck-Gymnasium Neumarkt mit SK-Strategin Laura Sophie Bauer am Spitzenbrett, hatte in der Schlussabrechnung das bessere Ende für sich. Zwar taten sie sich deutlich schwerer als zuletzt auf der Bayerischen Meisterschaft, aber sie waren die Einzigen, die Meister Düsseldorf wenigstens ein Unentschieden abtrotzen konnten. Hier ragt insbesondere Brett-4-Spieler Ivan Krushevsky vom SK Neumarkt heraus, der alle sechs Partien, in denen er eingesetzt war, gewinnen konnte. Mit insgesamt vier Mannschaftsunentschieden werden sie wahrscheinlich nicht hundertprozentig zufrieden sein, aber sie blieben im gesamten Turnier ungeschlagen und ergatterten so den Deutschen Vizetitel in der WK III. Glückwunsch nach Neumarkt!

Willibald-Gluck-Gymnasium Neumarkt, Platz 2 DSM WK III in Aurich 2024.

Kurios gestaltete sich ihre Heimfahrt: da ein Zug ausgefallen war und die Neumarkter auf halber Strecke über Nacht gestrandet wären, war die Bahn gezwungen, die Truppe per Taxi (!) nach Hause zu chauffieren. 😮

An einem Tag stattete die Kelheimer Delegation der Nordsee einen Besuch ab und erkundete die Umgebung.

Wettkampfklasse IV (Bad Homburg)

In der WK IV machte sich das Donau-Gymnasium Kelheim am 28. April, also einen Tag später als WK III und HR, mit der Bahn auf nach Bad Homburg. Direkt neben dem Drehkreuz Frankfurt am Main gelegen, war das auch kein großes Problem. Kaum mehr als fünf Stunden nach der Abfahrt und zweimal Umsteigen später erreichten sie die Jugendherberge in Bad Homburg als eine der ersten Mannschaften überpünktlich kurz vor 15 Uhr.

Diese Unterkunft sollte sich die nächsten drei Tage als sehr guter Austragungsort für eine deutsche Meisterschaft herausstellen. Sie bot genügend Schlafplätze für die in Summe 36 Mannschaften aus ganz Deutschland und somit Betten für ca. 220 Spieler, Betreuer, Begleitpersonen und das Organisationsteam vom Schachklub Herborn, die das alles sehr professionell geplant und auch durchgeführt haben. An diesem Tag stand keine Partie mehr an, sodass vor allem Ankommen, Kennenlernen der Jugendherberge, gemeinsames Abendessen und Spielen angesagt war.

Hier übernahm SK-Trainer Constantin Blodig die schachliche Anleitung, Andreas Dauerer war als Betreuer im Einsatz. An den Brettern saßen Arthur Sitnik, Konstantin Neumeier, Leonhard Dauerer, sowie Hannes Droll vom TV Riedenburg und Jakob Pesahl vom SK Abensberg. Als Ziel wurde ausgegeben, das inoffizielle Intervall von 17 Jahren zwischen zwei Treppchenplätzen bei einer deutschen Meisterschaft präzise einzuhalten. 😉 Damals, 2007, holte das DGK zuletzt einen Pokal auf einer DSM. Da war noch keiner der Spieler, die heute für ihre Schule um Punkte kämpften, geboren. Die Voraussetzungen dafür standen gar nicht so schlecht. Als amtierender Bayerischer Meister und an Nummer 7 der Startaufstellung gesetzt, ein ambitioniertes, aber durchaus realistisches Ziel, meinte Conny.

Trotz des tadellosen Ablaufs vor Ort, für die Daheimgebliebenen war es mühsam, diesem Turnier über neun Runden zu folgen. Natürlich kann man auf einer DSM nicht denselben Service mit Live-Brettern und allem damit verbundenen Aufwand erwarten wie auf einer DEM oder DVM. Da es aber oft den ganzen Tag über keine Updates auf der Webseite gab, hätte man als interessierter „Fan“ zu Hause selbst am Abend noch nicht gewusst, wie es eigentlich steht – wenn nicht Andreas immer wieder im SK-Whatsapp-Chat Infos eingestellt hätte. Da schlummert Verbesserungspotenzial!

Da das Team mit fünf Spielern angereist war, also ein Reservespieler zur Verfügung stand, war das DGK auch beim parallel laufenden Ersatzspielerturnier dabei, das allerdings nur über sieben Runden und somit nicht so wie das Hauptturnier über neun Runden ging. Anders als noch im letzten Jahr, als sich der Ersatzspieler mit dem Brett-4-Spieler abgewechselte, setzte in diesem Jahr jeder Kelheimer mindestens einmal aus. Konny war in Runde 1 dran, Arthur in Runde 2, Jakob in Runde 3, Hannes in Runde 4 und Leonhard in Runde 5. Erst in den Schlussrunden waren die drei vorderen Bretter fix.

Die Mannschaft startete mit einem Sieg gegen Frankfurt/Oder gut in das Turnier. Dann jedoch folgte ein Unentschieden gegen Hettstedt. Conny: „Das sollte eigentlich Weckruf genug sein, dass wir uns auf einer deutschen Meisterschaft befanden und auch die anderen Mannschaften, DWZ-Punkte hin oder her, jederzeit für entsprechende Überraschungen sorgen konnten.“ Im Anschluss folgte die erste „echte“ Herausforderung gegen Frankfurt am Main. Hier mussten sie jedoch eine Niederlage einstecken, was sie zunächst einmal ins Mittelfeld der Tabelle auf Rang 17 zurückwarf.

Danach berappelte sich die Truppe und es folgten drei Siege am Stück gegen Kleve, Braunschweig und Hamburg. Nachdem sie auch noch gegen Marbach, den Zweiten der Setzliste, ein Unentschieden herausgequetscht hatten (wobei da laut Conny durchaus mehr drin war), fanden sie sich am Abend vor dem letzten Spieltag plötzlich auf Rang 4 der WK-IV-Tabelle wieder. Spitzenreiter Berlin war zwar schon drei Punkte weg, aber eben jenen sollten sie in Runde 8 als Gegner bekommen. Man hatte es also in den eigenen Händen.

Als Freizeitaktivität stand am letzten Abend bei herrlichen frühsommerlichen 25 °C ein (weiterer) Besuch im Seedammbad an. Spätestens bei dem leckeren Eis auf dem Rückweg waren die letzten Zweifel verflogen. So konnten alle Spieler beruhigt das Champions-League-Halbfinale Bayern – Real und dann die Nacht in Angriff nehmen. Der eine oder andere träumte bestimmt vom angepeilten Ziel, auf das Treppchen zu kommen.

Ein Blick in Richtung Aufstellung der Berliner offenbarte das jedoch als Mammutaufgabe. Mit einem etwa 250 (!) DWZ höheren Schnitt ließen die Hauptstädter keine Fragen offen und fertigten unser tapferes Quartett mit 0-4 ab, auch wenn es zwischenzeitlich so ausgesehen hatte, als würde am ein oder anderen Brett doch was gehen. Da in der Folge – womöglich etwas gefrustet – auch noch die Begegnung gegen Bielefeld knapp mit 1,5-2,5 verloren ging, wurde die Mannschaft noch bis auf Rang 11 durchgereicht. Bei 36 Teilnehmern, die es bundesweit bis in diese Endrunde geschafft haben, ein passables Ergebnis.

Aber auch hier gab es enttäuschte Gesichter, nachdem das Treppchen zum Greifen nah zu sein schien. Conny: „Trotz einiger Tränen und beträufelter Blicke müssen wir uns nicht verstecken. Manchmal haben die anderen das nötige Quäntchen Glück.“

Donau-Gymnasium Kelheim, Platz 11 DSM WK IV in Bad Homburg 2024

Zwischen den Runden haben die Kelheimer die Stadt erkundet und sind auf einige sehenswerte Bauwerke gestoßen:

Natürlich durfte auch der Fußballplatz nicht fehlen und an zwei Tagen war Austoben im Schwimmbad angesagt.

Ach ja, einen dicken Pokal durften die Kelheimer doch noch in Empfang nehmen: Beim Ersatzspielerturnier konnten sie ihre Qualitäten beweisen und einen tollen 2. Platz erkämpfen. So hat es (in gewisser Weise) doch noch mit dem Treppchenplatz geklappt. 😉

Donau-Gymnasium Kelheim, Platz 2 Ersatzspielerturnier WK IV in Bad Homburg 2024

Auf der Heimreise im Zug fanden Conny und Andreas erstmals Gelegenheit, in Ruhe zu reflektieren. Conny: „Unterm Strich blickt das Donau-Gymnasium Kelheim auf schöne Tage in Bad Homburg zurück. Sportlich blieben wir hinter unseren Möglichkeiten zurück. Bejubeln können wir die durchschlagenden Erfolge auf den niederbayerischen und bayerischen Meisterschaften. Mit Platz 11 bleibt Kelheim auch auf der deutschen WK IV Meisterschaft die stärkste bayerische Mannschaft vor den Münchnern auf Platz 22.“

Am Abend des 1. Mai war auch die letzte Kelheimer Mannschaft wieder wohlbehalten zu Hause. Schade, dass es nicht bis ganz nach vorne gereicht hat, das Potenzial war da. Aber eine Deutsche Meisterschaft ist immer ein ganz besonderes Erlebnis, für einige war es ja das erste Mal überhaupt – und wird schon aus diesem Grund unvergessen bleiben.

Dazu gab es auch einen Zeitungsartikel, den die Realschule initiiert hat: Dritter Platz bei Deutschen Meisterschaften im Schulschach (Donaukurier, 12.05.2024)