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Kampf bis zum Tode - de La Bourdonnais gegen McDonnell
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stritten England und Frankreich nicht
nur um die Vorherrschaft in Europa und den Kolonien, sondern auch im Schach.
Immer wieder maßen sich die hervorragendsten Meister beider Länder in Wett-
kämpfen. Zunächst waren dies in den 20-er Jahren der französische General
Alexandre Louis Deschapelles und der Sektretär einer englischen Handelsgesell-
schaft William Lewis. Später erhoben ihre Schüler Louis Charles de La Bourdonnais
und Alexander McDonnell Anspruch auf auf den Titel “stärkster Schachspieler”. Sie trugen deshalb in den Jahren 1834/35
sechs Wettkämpfe gegeneinander aus, der als “Westminster Marathon” in die Schachgeschichte einging. Dort spielten sie in
88 (!) Partien aus, wer die Schachkrone tragen sollte.
Alexander McDonnell war ein reiner Amateur, der Schach nur aus purem Vergnügen spielte. Er arbeitete in einer großen
Handelsgesellschaft und verdiente dort gutes Geld. Er zettelte in seinen Partien meist schon von den ersten Zügen Ver-
wicklungen an und war ein gefürchteter Angriffsspieler. Er entwickelte eine Variante im Königsgambit, das so genannte
McDonnell-Gambit: 1. e4 e5 2. f4 exf4 3. Sf3 g5 4. Lc4 g4 5. Sc3 gxf3 6. Dxf3
Das völlige Gegenteil von McDonnel war de La Bourdonnais. Er hatte zwar adelige Wurzeln (sein Großvater war der Gouverneur
von Mauritius), verarmte jedoch bald und war daher immer knapp bei Kasse. Darum war er gezwungen mit Schach seinen
Lebensunterhalt zu verdienen. Er hatte intensiv das Buch seines berühmten Landsmannes
Philidor studiert und sich mit dessen Regeln des Positionsspiels auseinandergesetzt. Er pflegte
darum Angriffe zu starten, die auf einer gesunden positionellen Basis standen.
Im Jahr 1836 gründete de La Bourdonnais die weltweit erste Schachzeitschrift Le Palamède. Der
Titel geht dabei auf Palamedes, einen Helden im Trojanischen Krieg zurück, der einige Brettspiele
erfunden haben soll.
In der Presse wurde die Stimmung vor dem Wettkampf zwischen de LaBourdonnais und McDonnell
enorm aufgeheizt. Kein Wunder - denn nicht lange zuvor waren erst die Napoleonischen Kriege zu
Ende gegangen. Dort hatte schließlich England mit seinen Verbündeten die Oberhand behalten.
Die Franzosen erhofften sich eine Revanche auf dem Schachbrett. Als dann das Match im Juni
1834 in London begann, blickte die ganze Schachwelt gebannt zum vornehmen Westminster Chess
Club. Die Geduld wurde aber auf eine harte Probe gestellt, nicht nur wegen der enormen Länge des
Wettkampfes. Auch die einzelnen Partien hatten es in sich. Da noch keine Schachuhren verwendet
wurden, zogen sich einige Partien enorm in die Länge, denn die Spieler durften für ihre Züge so lange überlegen wie sie
wollten. So berichtet der Chronist der Wettkämpfe, George Walker, von einer Partie, die bereits 16 Stunden im Gange war. Als
Schlusskommentar steht in seinem Buch: “Beide Spieler schlafen.” Die Partie wurde am nächsten Tag fortgesetzt.
Am Ende siegte schließlich de La Bourdonnais klar mit 44 zu 30 Siegen bei 14 remis. Die Franzosen hatten also zumindest auf
dem Feld des Schachspiels die Oberhand behalten.
Der Schmerz über die herbe Niederlage und die Anstrengungen eines so langen Wettkampfes gingen schließlich über
McDonnells Kräfte. Er starb wenig später am 14. September 1835 im Alter von nur 37 Jahren.
Doch auch de La Bourdonnais brachte der Sieg im Kampf um die Vorherrschaft im Schach wenig Glück. Da er von Geschäften
keine Ahnung hatte, verlor er bei einer Spekulation sein gesamtes Vermögen und war nun auf Spenden und Schachspieler
angewiesen, die um wenig Geld eine Partie gegen ihn spielen wollten. Außerdem wurde er schwer krank. Die Wassersucht
ließ ihn schließlich in bitterer Armut am 13. Dezember 1840 in London im Alter von 43 Jahren versterben.
Hier nun die berühmteste Partie aus dem 4. Wettkampf zwischen McDonnell und de La Bourdonnais zum Nachspielen.
Das Ende der Partie verdient ein Diagramm:
Stellung nach 37... e3-e2
Weiß (McDonnell) ist am Zug.
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